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Simone de Beauvoir: "Man kommt nicht als Frau auf die Welt, man wird es."

30. Aug. 2024
2 Min. Lesezeit

Ich lebe (zumindest ein Stück weit) in dieser „Bubbel“ junger (Sozialpädagogik-) Stundent*innen und Frauen*, die stereotyperweise es anders machen wollen. Die* keine Plastikverpackungen mögen, den Latte macchiato lieber mit Hafermilch trinken, vielleicht lieber Barfußschuhe tragen (oder die Schuhe gleich weglassen), ab und an oder jeden Freitag auf einer Fridays for Future Demo oder einem Frauenkreis zu finden sind.

Bereits hier muss ich schmunzeln, weil ich spüre, dass ich nicht in all meinen Facetten und Farben in diese Schublade passe. Und es in meinem Leben bereits so unterschiedliche Schubladen gegeben hat, welche ich gestreift oder betreten habe. Einige habe ich wieder verlassen und dafür neue erkundet. Ein privilegierter Weg, welcher mir vor allem vor Augen führt, dass ich in die „Bubbel“, einer jüngeren, weißen und in Europa aufgewachsenen Generation gehöre, die nur darauf wartet, wieder die Möglichkeiten dieser Welt zu erkunden.

Bitte versteht mich nicht falsch, ich bin sehr stolz darauf, mich dem Konsum nicht unhinterfragt hinzugeben, bereits unterschiedliche Begegnungen in mehreren Ländern dieser Welt erfahren zu haben und mein Leben, meine Werte und Rollen stetig selbst zu reflektieren. Doch ich spüre gleichzeitig eine große Unsicherheit in mir. Fragen, Zweifel, Widersprüche, Liebe, Wut, Mut und Angst.

Seit ein paar Monaten habe ich eine sehr liebenswerte Familie. Zu dieser Familie gehören mein Partner, sein vierjähriger Sohn und unsere kleine Tochter, welche im 7. Monat in meinem Bauch heranwächst. Und genau in diesem Kontext, der mich überaus glücklich macht, schwirren mir Tausend Fragen durch den Kopf. Ganz laut ist die Frage, was und welche Bilder ich (meinen) Kindern vermitteln möchte. Seit Juni befinde ich mich im Beschäftigungsverbot, mein Partner geht weiterhin regulär arbeiten. Bereits jetzt habe ich ein Krummeln im Bauch, weil ich immer diejenige bin (dafür trage ich natürlich Eigenverantwortung!), die sich frägt, was wir zu Abend essen, ich die Spühlmaschine ausräume und das Bett frisch beziehe. Ein Bild, welches ich auf der einen Seite aus meiner eigenen Kindheit kenne, auf der anderen Seite meinen Kindern auf keinen Fall in dieser Form als Norm vermitteln möchte.

Es ist mein tiefster Wunsch (meinen) Kindern aufzuzeigen, wie vielfältig Kinder, Familien und Lebensentwürfe sein können. Wie heilsam es ist, sich selbst zu sein und für sich einzustehen, unabhängig von bestimmten Normen und Bildern unserer Gesellschaft. Eine große Herausforderung und ich bin mir bewusst, dass dies ein Prozess darstellt und Fehler dazugehören. Ich bin mir bewusst, dass es DIE perfekte Kindheit, die* perfekte Mutter* oder den* perfekten Vater* zum Glück nicht gibt. Mein Kopf fragt sich an dieser Stelle, ob es nicht am einfachsten wäre, jetzt zu resignieren und die gesellschaftlichen Umstände so anzunehmen, wie sie nun mal sind. Aber mein Herz schreit glücklicherweise ganz laut „Nein!“. Und obwohl es für mich (gerade als Frau) nicht ungewohnt ist, meiner inneren, mutigen, hinterfragenden und manchmal revolutionären Stimme nicht zu folgen, möchte ich dieser Intuition nachgehen und schauen, wohin mich mein Weg führt. Ich habe in meinem Leben so viele Verletzungen erfahren, weil ich die Macht zu handeln, interpretieren, entscheiden, sprechen, urteilen etc. anderen überlassen habe. Ich werde alles daransetzen, dass meine Tochter andere Erfahrungen sammelt.

 
 
 

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